3 Cheschwan 5781 / Mittwoch, 21. Oktober 2020 | Thora-Parascha: Noach
 
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Kollektivstrafe im Judentum    

Kollektivstrafe im Judentum



Kollektivstrafe im Judentum - Erlaubt oder verboten? Vom ehemaligen Oberrabbiner Mordechai Elijahu aus Israel erfuhr ich, dass eine Kollektivstrafe aus der Tora ergeht.

 



Kollektivstrafe im Judentum - Erlaubt oder verboten?

 

Vom ehemaligen Oberrabbiner Mordechai Elijahu „Sazal“ aus Israel erfuhr ich, dass eine Kollektivstrafe aus der Tora ergeht. Auch bestätigte es mir sein Sohn, Rabbi Shmuel Elijahu, der Oberrabbiner von Zefat.

 

Die wohl bekannteste Kollektivstrafe finden wir beim Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten. Alle Ägypter wurden mit den zehn biblischen Plagen bestraft. Besonders bei der 10. Plage Tod aller Erstgeborenen“ ist deutlich zu erkennen, dass keine Ausnahme zwischen den Ägyptern gemacht wurde. So heißt es: „Und Moses sprach: So spricht der HERR: Um Mitternacht will ich durch das Ägyptenland gehen, und alle Erstgeburt in Ägyptenland soll sterben, vom ersten Sohn des Pharao an, der auf seinem Thron sitzt, bis zum ersten Sohn der Magd, die hinter ihrer Mühle hockt, und alle Erstgeburt unter dem Vieh.“ (2. Buch Moses 11,4) Sogar das Vieh wurde hier in der Kollektivbestrafung nicht verschont.

 

Auch bei der Teilung des Roten Meeres (Kirjat Jam Suf) wurden alle Ägypter ins Meer gespült. Ebenso das Gebot, alle sieben Stämme der Kanaaniter und auch das Volk der Amalekiter als Selbstverteidigung zu bekämpfen, sind eindeutige Kollektivbestrafung.

 

Die Tora erzählt uns über die ersten israelischen Geiseln der Geschichte. Sara und Rivka, die von Pharao und Avimelech entführt wurden, so wie es heißt: „Da wurde die Frau in das Haus des Pharao gebracht.“ 1 BM 12,15 



Was denkt ihr war die Antwort auf diese Entführung? Verhandlungen? Nein, so heißt es: „Aber der Ewige schlug den Pharao und sein Haus mit großen Plagen um Sarais, der Frau Abrams, willen.“ 1 BM 12,17 

 

Und genau dieser Abimelech entführte dann gemeinsam mit seinem Sohn auch Rivka, nachdem Isaac sagte, sie sei seine Schwester, denn wenn er gesagt hätte, dass sie seine Frau sei, hätte man ihn getötet ... 



So entführten sie also Rivka und wollten sie vergewaltigen, und dann heißt es: „Abimelech sprach: Warum hast du uns das angetan? Wie leicht hätte jemand vom Volk sich zu deiner Frau legen können; so hättest du eine Schuld auf uns gebracht!“ 1 BM 26,10



Hier lehrt die Tora also, dass eine Entführung und eben alles was damit zu tun hat, in der Regel eine Kollektivstrafe zur Folge haben wird! 

 

Interessant ist nun aber ein Disput zwischen zwei sehr großen Schriftgelehrten, dem großen Maimonides (Rabbi Moses ben Maimon), der ja bekanntlich als bedeutender Gelehrter des Mittelalters und als einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten aller Zeiten gilt und dem jüdischen Arzt, Rabbiner, Philosophen und Dichter aus Katalonien, Nachmanides (Rabbi Moshe ben Nachman).

 

Maimonides sagte z.B., dass die klassische Kollektivstrafe in Nablus von den Söhnen Jakobs erlaubt und berechtigt war. Dina, die Tochter des Jakob wurde von Schechem ben Chamor entführt und vergewaltigt. Als Reaktion heißt es im 1. Buch Moses: „Es geschah aber am dritten Tag, als sie wundkrank waren, da nahmen die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, Dinas Brüder, jeder sein Schwert und drangen überraschend in die Stadt ein und brachten alle Männer um.“



Maimonides erklärt, dass diese Kollektivstrafe absolut berechtigt war, weil die Bürger von Nablus sich nicht gegen die Verbrechen von Schechem ben Chamor gestellt haben. Sie hätten ihn stoppen und vor Gericht bringen müssen. Das haben sie aber nicht getan, sie haben ihn sogar moralisch unterstützt. Maimonides führte dazu noch weitere Interessante Punkte auf, siehe: בהלכות מלכים פרק ט, הלכה יד.

 

Aber genau hier gibt Nachmanides, dem Maimonides nicht recht. Auch Rabbiner Judah Löw, der Maharal aus Prag (er war ein bekannter Rabbiner,Talmudist, Prediger und Philosoph des 16. Jahrhunderts) war sehr verwundert, über das, was Maimonides zur Tötung aller Bewohner der Stadt Nablus von Schimon Levi aufführte (Siehe: גור אריה, בראשית לד, יג).

 

Ein weiteres Beispiel für eine Kollektivstrafe finden wir im Bezug auf die „Ir Nidachat“, also eine Stadt in der die mehrheitliche Bevölkerung Heidentum betreibt und an viele Götter glauben, siehe dazu: 5. Buch Moses, 13,13-19. In der Tora wird hier so eine Stadt kollektiv bestraft. Tannaiten durchleuchteten, ob es halachisch tatsächlich vertretbar sei, alle Bewohner so einer Stadt kollektiv mit dem Tod zu bestrafen.

 

Maimonides schreibt dazu ein klares Ja, siehe: (הלכות עבודה זרה פרק ד, הלכה ו)

 

In den Schriften des Rabbi Aaron von Lunel wurde auch entdeckt, wie Rabbi Meir ha-Levi Abulafia die halachische Deutung des Maimonides dazu scharf angreift. Rabbi Aaron von Lunel verteidigte die Auslegung des Maimonides hingegen.

 

Halten wir fest: Aus den jüdischen Quellen gibt es - wie zu erkennen ist - viele offensichtliche Kollektivstrafen. Sie wurden aber niemals einfach grundlos vollstreckt, sondern eben vor allem, weil die jeweiligen Bürger sich gegen die Verbrechen einzelner „Täter“ hätten stellen müssen. Das Volk muss Verbrecher und Mörder stoppen und vor Gericht bringen. Maimonides schreibt dazu, dass in der allgemeinen Weisung für die gesamte Menschheit, das 7. Gebot: Das Gebot der Rechtspflege, vorschreibt, Richter einzusetzen, die in zivilen Angelegenheiten Recht sprechen und die Öffentlichkeit zur Verwirklichung der sieben Grundgebote anhalten. Dem Menschen obliegt also die Pflicht zur Rechtspflege, sie liegt in seinem Verantwortungsbereich.

 

Die Richter haben nach den Grundsätzen der Anständigkeit Recht zu sprechen, die an ihrem jeweiligen Ort gelten; es wird auch die Auffassung vertreten, die Rechtssprechung müsse nach den Bestimmungen der Tora Israels erfolgen.

 

Es ist den Richtern verboten, Bestechungsgeld zu nehmen oder das Recht zugunsten einer Seite zu beugen.

 

Grundsätzlich hat sich jeder an ein Gericht zu wenden und darf das Recht nicht in seine eigenen Hände nehmen.

 

In allen in der Tora aufgeführten Kollektivstrafen war aber genau das nie der Fall, somit hat das Volk die Einzeltäter moralisch unterstützt und somit mitschuldig gemacht.

 

Fazit: Kollektivstrafe in der Tora gibt es, aber aus halachischer Sicht wird sie nicht von allen einwandfrei vertreten, also umstritten.





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