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Pessach



Pessach wird als erstes der drei Wallfahrtsfeste im jüdischen Frühlingsmonat Nissan, zur Zeit der ersten Gerstenernte in Israel gefeiert...

 



Pessach wird als erstes der drei Wallfahrtsfeste im jüdischen Frühlingsmonat Nissan, zur Zeit der ersten Gerstenernte in Israel gefeiert. Doch Pessach ist mehr als nur ein Erntedankfest. Wie alle jüdischen Feste ist auch das Pessachfest voll von Symbolen und hat eine ganz bestimmte Bedeutung im Hinblick auf die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes: es erinnert an die Zeit des Exodus, an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, die Flucht vor Unterdrückung und Sklaverei. Das Pessachfest ist also ein Fest der Freiheit. Aus diesem Zusammenhang leitet sich auch der Name Pessach ab, der so viel bedeutet wie "hinwegschreiten", "verschonen".

Er bezieht sich darauf, dass Gott die Israeliten verschonte, als er die Ägypter mit den zehn Plagen bestrafte. Während des einwöchigen Festes dürfen sich keine gesäuerten Speisen im Haus befinden. Ungesäuerte Speisen symbolisieren die Hast, mit der die Israeliten Ägypten verließen: sie hatten einfach nicht genügend Zeit, ihre Speisen säuern zu lassen. Der "Erfolg" des somit erforderlichen Frühjahrsputzes wird durch einen amüsanten Brauch kontrolliert: die ganze Familie unter- nimmt einen lustigen Umzug durchs Haus, bei dem die Kinder absichtlich liegengelassene gesäuerte Lebensmittel finden und entfernen.

In der Zeit des gesamten Pessachfestes werden Matzen, ungesäuerte Brotfladen, gegessen, welche sowohl die überstürzte Flucht als auch das elende Sklavenleben der Israeliten in Ägypten symbolisieren. Sie werden somit als Brot der Befreiung und Brot des Elends betrachtet. Man achtet streng darauf, dass wirklich alle Speisen ungesäuert sind. Somit gibt es auch Gerichte, die speziell für diesen Anlass kreiert wurden, wie z.B. die sogenannten "Pessach Blinzes":


An den ersten beiden Abenden wird nach einem Gottesdienst in der Synagoge die Sederfeier begangen, ein Abendmahl nach genauen Vorschriften. Zu dieser Mahlzeit wird Extra-Geschirr benutzt, da das Alltagsgeschirr durch die Berührung mit gesäuerten Speisen unbrauchbar ist. Fehlt das Geld für zusätzliches Geschirr, kann man auch das Alltagsgeschirr koscher machen, indem man es rotglühend macht oder es in heißes Wasser tunkt. Dieser Vorgang wird Kaschern genannt. 

Auf einer Sedertafel müssen sich ganz bestimmte symbolhafte Gegenstände befinden:
 

  • ein Buch mit den Pessach- Geschichten, die Haggada ("Erzählung");
  • ein Becher, der viermal mit Wein gefüllt wird, als Zeichen der vier Versprechen Gottes;
  • ein weiterer mit Wein gefüllter Becher, der die Hoffnung auf einen kommenden Messias
  • ausdrückt;
  • drei Matzen, die die drei Stände der Gemeinschaft Israels (Priester, Leviten, "Israeliten") symbolisieren;
  • ein Stück einer am Rost gebratenen Keule, die das ehemals dargebrachte Opferlamm ersetzt;
  • ein Ei als Zeichen des Erwachens der Natur, welches genauso wie die Keule nicht gegessen wird;
  • ein Teller z.B. mit Petersilie und eine Schale Salzwasser, die Schönheit der Natur versinnbildlichend, welche durch die Tränen und den Schweiß der Sklaven bitter wurde
  • bittere Kräuter wie Meerrettich zum Gedenken an die Sklaverei und
  • eine Schüssel mit Charosset, einem bräunlichen Gemisch aus Nüssen, Äpfeln, Wein und
  • Zimt, welches den Mörtel darstellt, den die Juden für den Pharao mischen mussten.


Alle diese Zutaten sind Teil des vorgeschriebenen Sederrituals. Sie werden in einer bestimmten Reihenfolge verzehrt, unterbrochen durch das Aufsagen verschiedener Gebete und der vier Versprechen Gottes:

1.) Gott will die Israeliten aus Ägypten führen
2.) Gott will die Israeliten befreien
3.) Gott will die Israeliten erlösen
4.) Gott will die Israeliten als sein Volk annehmen

Außerdem wird die Geschichte über den Auszug aus Ägypten erzählt, um die Kinder mit der Geschichte ihres Volkes vertraut zu machen. Nach dem rituellen Sedermahl werden oft noch bis tief in die Nacht hinein Lieder gesungen, die auch von der Not und Hoffnung der Juden berichten.


Ziel und Sinn des Pessachfestes ist es also, die jüdische Geschichte lebendig und anschaulich zu erhalten, damit sich auch nachfolgende Generationen mit der Vergangenheit ihres Volkes identifizieren können.


Die Autorin verfasste diesen Artikel für das Jüdische Geschichte und Kultur Projekt vom Lessing-Gymnasium Döbeln.

 





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