3 Cheschwan 5781 / Mittwoch, 21. Oktober 2020 | Thora-Parascha: Noach
 
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Das Fest der Tora    

Das Fest der Tora



Das Fest der Tora, also Schawuot, wird am 50. Tag nach Pessach gefeiert. In Israel feiert man Schawuot einen Tag.

 



Das Fest der Tora, also Schawuot, wird am 50. Tag nach Pessach gefeiert. In Israel feiert man Schawuot einen Tag und in der Diaspora (Galut) zwei Tage. Der Grund für den Unterschied ist, dass man früher, als ein weltweit einheitlicher Kalender schwierig war, sicher gehen wollte, dass alle Juden zur gleichen und zur rechten Zeit Schawuot feiern. Da dieser Grund heute hinfällig ist, feiern Reformjuden und manche Konservative auch außerhalb Israels Schawuot nur einen Tag lang.

 

Am sechsten und siebenten Siwan [zunehmender Halbmond Mai/Juni] feiert man das Schawuot-, das Wochenfest: als Vollendung der siebenwöchigen siebenmal siebentägigen Omerzeit, als Erntedankfest, da zu dieser Zeit in Palästina geerntet wird, als Erstlingsfest, da man an diesem Tage einst die Erstlinge der Ernte zu opfern pflegte, vor allem aber als das große Offenbarungsfest: An diesem Tage wurde uns am Berg Sinai die 10 Gebote gegeben, Gott offenbarte sich in seiner Lehre. (Rabbiner Hirsch)

 

Schawuot gehört mit Pessach (dem Passahfest) und Sukkot (dem Laubhüttenfest) zu den Wallfahrtsfesten, den Festen, die zur Zeit der beiden Tempel mit einer Pilgerfahrt nach Jerusalem und Opfern im Tempel begangen wurden.

 

Heute besteht Schawuot in Israel aus einer Reihe großartiger Erntefeste, deren bekanntestes in Haifa gefeiert wird. Scharen von weißgekleideten Kindern mit  Kränzen und grünen Zweigen in den Händen ziehen durch die Stadt. Auf den Häusern wehen bunte Fahnen und farbige Bänder. Die Landwirte aus den Kibbuzim tragen in einem festlichen Umzug Körbe mit Bergen von Obst und Gemüse in einer Auswahl, die sich ihre biblischen Vorfahren nicht hätten träumen lassen. (Dolezalová)

 

 

Charakter und Namen des Festes

 

Schawuot, Chag Matan Tora, wird in der Tora als Fest der Natur und der Landwirtschaft bezeichnet. Zu Pessach erinnern wir uns an den Exodus unserer Vorväter aus Ägypten, aus der Knechtschaft in die Freiheit. Nach Monaten der Wüstenwanderung kamen die Kinder Israels am Berg Sinai an, wo ihnen der Ewige durch Moses als Vermittler die Tora übergab.

 

Da den Kindern Israels zu Schawuot die Tora übergeben wurde, wird das Fest auch Chag Matan Tora genannt. Unsere Weisen betonen, dass die Kinder Israels erst durch die Tora ein freies Volk wurden. Unsere Vorväter empfingen die Tora freiwillig und bewusst. (Exodus 24,7)

 

Gemäß der Tradition wurde die Tora im Jahr 2448 nach der Erschaffung der Welt gegeben.

 

Zu Schawuot beendete das Volk Israel die Gerstenernte und begann mit der Ernte des Weizens, denn in Eretz Israel signalisiert der Monat Siwan das Ende des Frühlings und den Beginn des Sommers.

 

Drei Mal im Jahr pilgerten unsere Vorväter zum Tempel in Jerusalem, um die Früchte der Erde dem Ewigen als Opfer darzubringen.

 

Es gibt eine weitere wichtige Bedeutung im “Timing” von Schawuot, zwischen dem Omer und der Ernte. Das Fest wurde Ende einer siebenwöchigen Periode platziert, der Zeit der Omerzählens, das am ersten Zwischenfeiertag von Pessach (zweiter Sederabend in der Diaspora) beginnt. In diesen Wochen intensiviert sich in Israel der Kampf zwischen den Ost- und Westwinden. Einerseits    wehen die trockenen Ostwinde, andererseits bringen die Westwinde Wolken und die Gefahr plötzlicher Regengüsse. Dies führt oft zu raschen Wetterwechseln, die Felder und Pflanzungen betreffen können. Daher werden die 49 Tage des Omer mit gewisser “Angst” gezählt.

 

Zu Schawuot stabilisiert sich das Wetter. Die Bauern kennen bereits das Schicksal des neuen Getreides, haben aber noch keine Garantie für den Ernteerfolg der Früchte, die im Sommer wachsen. Das wird erst zu Sukkot bekannt sein.

 

Zusätzlich zu Chag Matan Tora ist das Fest unter vier anderen Namen bekannt:

 

 

Schawuot

Chag HaKatzir

Chag HaBikkurim

Atzeret

 

 

Vorschriften und Bräuche

 

An allen drei Wallfahrtsfesten gebietet uns die Tora, nicht zu arbeiten (eine negative Vorschrift) und uns am Fest zu erfreuen (eine positive Vorschrift). Die drei Tage vor Schawuot, der 3., 4. und 5. Siwan, werden Tage der Hagbalah, der Beschränkung, genannt.

 

 

Schawuotspeisen

 

Jeder Feiertag hat seine traditionellen Speisen, auch Schawuot. Es ist Brauch, milchige Speisen zu essen, da die Tora für jeden die Quelle des   Lebens ist, wie die Milch für den Säugling. Kühe und Ziegen geben zu dieser Jahreszeit viel Milch, aus der viele Delikatessen hergestellt werden können. Einige Leute backen hohe Kuchen zur Erinnerung an die Übergabe der Tora am Sinai. Andere essen eine Menge Obst, vor allem von den “sieben Arten”.

 

 

Megillat Ruth

 

Nach dem Schacharit Gebet zu  Schawuot lesen wir die Megillat Ruth, das Buch Ruth.

 

 

Gründe

 

Es gibt verschiedene Gründe für das Lesen dieses Buches zu Schawuot:

 

Das Buch Ruth erzählt die Geschichte von jemanden, der in Eretz Israel den Boden bearbeitete, von einem Mann, der säte und den Armen ihren Anteil an der Ernte gab, der erntete und in Scheunen schlief.

 

 

Schawuot ist das Fest der Bauern

 

Das Buch Ruth spielt zwischen der Gersten- und Weizenernte. Daher ist es passend, die Megillat Ruth anlässlich eines Erntefestes zu lesen.

 

Nach der Tradition starb König David zu Schawuot. Die Megillah erzählt den Beginn der Dynastie Davids, da Ruth die Mutter von Davids Großvater war. Daher ist es zu Schawuot auch Brauch, das Grab König Davids am Zionsberg in Jerusalem zu besuchen.

 

Unsere Weisen erklären, dass die Israeliten die Tora zu Schawuot empfingen. Und Ruth konvertierte während der Erntezeit und nahm die jüdische Religion an. Israel erhielt 613 Mitzwot, die nichtjüdischen Völker nur sieben. Als Ruth konvertierte, beobachtete sie die sieben Mitzwot und akzeptierte die zusätzlichen 606. 606 ist auch der Zahlenwert für das Wort “Ruth” in der Gematria.

 

Daher lesen wir das Buch Ruth zu Schawuot.

 

 

Geschichte

 

Das Buch Ruth erzählt die Geschichte der Familie Elimelechs aus dem Stamm Juda, in den Tagen der Richter. Elimelech, seine Frau Naomi und seine beiden Söhne Machlon und Chilyon verlassen Bethlehem, wo eine Hungersnot herrscht, und lassen sich in den Gefilden Moabs nieder. Dort heiraten die beiden Söhne moabitische Frauen: Orpah und Ruth.

 

Der Vater und die beiden Söhne sterben in Moab und lassen Naomi und ihre beiden Schwiegertöchter allein zurück. Als sich Naomi entschließt, in ihre Heimat zurückzukehren, weigert sich Ruth, sich von ihr zu trennen und begleitet sie. Zufällig, als Ruth auf die Felder geht, um die Ecken abzuernten, lernt sie Boaz kennen. Die Tora gebietet, dass Fremde, Witwen und Waisen die Ecken eines Feldes abernten dürfen.

 

Ruth ist eine Fremde und eine Witwe.

 

Boaz findet Gefallen an Ruth und heiratet sie. Das Kind, das in dieser Ehe geboren wird, Oved, wird König Davids Großvater.

 

 

Der Autor ist Psychologe und hat an der Universität Köln gelehrt.





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