17 Adar 5781 / Montag, 1. März 2021 | Thora-Parascha: Tezawe
 
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Arm an Zeit, Reich an Stress    

Arm an Zeit, Reich an Stress



Wie sieht unser Tag heute aus und wie sah er vor einigen Jahrzehnten aus? Und wie können wir etwas ändern?

 



Es gibt die bekannte Geschichte, mit den Indianern, oder dem alten Bedouinen, die zu Fuß zu ihrem Zelt unterwegs waren. Da kommt jemand mit einem Jeep vorbei und nimmt sie netterweise mit und in ein paar Minuten sind sie da. (Bei den Indianern ist es die erste Eisenbahnfahrt.) Der Jeepfahrer springt ab und geht ins Zelt. Der Bedouine (oder die Indianer) steigen aus und setzen sich auf die Erde und atmen tief durch. Auf Nachfrage erklären sie: Mein Körper ist angekommen, aber meine Seele muss noch nachkommen...

 

 

Vor ein paar Jahren sah ein Arbeitstag so aus: Man steht auf, macht sich fertig, geht aus dem Haus. Unterwegs zu Fuß, Fahrrad, Bus spürt man das Wetter und trifft Menschen. Auf Arbeit angekommen, werden die Stress-Hormone ausgeschüttet und man arbeitet druch sie konzentriert und effektiv. In der Mittagspause sitzt man mit den Kollegen zusammen, alle essen ihre mitgebrachten Brote, man trinkt eine Tasse Kaffee und tauscht sich aus. Nach dem Essen geht es weiter bis um fünf. Dann geht man nach Hause, und auf dem Rückweg werden die Stress-Hormone abgebaut, und zu Hause ist man ruhig und zufrieden, spielt mit den Kindern, redet mit dem Partner. Es gibt ein gemeinsames Abendessen, danach liest man noch ein bisschen und geht dann schlafen.

 

Heute sieht der Tag ein bisschen anders aus. Man steht auf und guckt auf des Handy. Das schüttet Stress-Hormone aus. Man macht sich fertig und beantwortet nebenbei SMS und WhatsApp und auch ein paar Mails. Dann steigt man ins Auto und fährt, allein mit Klimaanlage und Radio und Handy und Stau, zur Arbeit. Dort angekommen hat das Stress-Niveau bereits ungekannte Höhen erreicht. Man arbeitet parallel mit Handy, Computer, Telefon und Kollegen. In der Pause versinken alle tief in ihr Handy. Das bestellte Essen ist nicht rechtzeitig gekommen, also isst man hastig neben der Arbeit oder gar nicht und trinkt dafür mehr Kaffee. Auf dem Rückweg wieder Stau und Radio und Handy. Zuhause redet man mit der Familie, aber nebenbei muss man nochmal Emails-checken und beantworten und ein paar WhatsApp-Nachrichten schreiben. Das Stress-Level fällt nicht ab.

 

 

Das ist natürlich vereinfacht. Früher war nicht alles besser und heute ist nicht alles schlecht. Und viele Faktoren fehlen im Bild der modernen Arbeitswelt. Aber das Problem ist bekannt. Die moderne Technologie, die Erwartungen des Arbeitsmarkts, und alles selbst online erledigen, vermischen die Bereiche von Arbeit und Familie, und es gibt kaum Zeiten, in denen unser Stress-Level absinken kann, in denen keine neuen Anforderung per Email eingehen oder wir nicht per WhatsApp für alle und jederzeit erreichbar sind. Wir sind im Dauer-Stress und völlig ausgelaugt. Wir sind arm an Zeit.

 

 

Dieser Artikel will dazu aufrufen, sich dieses Problem bewusst zu machen. Überlege, wie du diesen Kreislauf druchbrechen kannst? Schau morgens nicht auf das Handy, bis du auf Arbeit kommst. Nimm den Morgen mit der Familie bewusst wahr. Und am auch am Abend lege das Handy weg. Ich schlage ein Experiment vor: Mach eine Woche lang das Handy aus vom Abend bis du auf Arbeit bist. Das ist schwer, ich weiß. Aber die Auswirkungen sind unglaublich! Es ist einen Versuch wert!





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