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Die Kunst der Vergebung    

Die Kunst der Vergebung



So technisch wie dieses Beispiel auf den ersten Blick wirkt, gibt es doch gut wieder, wie es in vielen Menschenleben aussieht.

 



„Unrecht ist wie eine falsche Münze. Alle geben sie weiter, aber die starken Herzen setzen sie außer Kurs.“  (Zitat von Carl Zuckmayer)

 

„Na, kein Wunder, Ihre Festplatte ist ja total voll!“, meinte der Techniker. Beide standen sie nebeneinander vor dem Computer im Büro, und der Grund vieler Probleme war auf einmal klar. Das Gerät war in letzter Zeit immer langsamer geworden und hatte häufig komplett gestreikt.

„Da hätte ich ja wirklich selbst drauf kommen können.“, dachte sich der Besitzer dieses Computers.

Auf der Festplatte sah es jedenfalls ziemlich wüst aus. Doppelt installierte Programme, riesige alte Bilddateien, die er überhaupt nicht brauchte, und viel Durcheinander.

 

So technisch wie dieses Beispiel auf den ersten Blick wirkt, gibt es doch gut wieder, wie es in vielen Menschenleben aussieht. Im Laufe der Jahre häuft sich immer mehr an. Es sind so viele Dinge, die wir weder haben wollen noch gebrauchen können und die wir trotzdem in unserer Seele mit durchs Leben schleppen. Immer mehr emotionale Energie wird gebunden, um diese alten Geschichten in Schach zu halten. Und immer weniger Energie steht zur Verfügung, um neue kreative Prozesse in Gang zu setzen. Was kommt da auf die Jahre gesehen nicht alles zusammen? Ungerechtigkeiten durch die Eltern; Gemeinheiten unserer Geschwister; ungerechte Lehrer; Hänseleien durch Klassenkameraden; die Ausbilder im Beruf, welche ihre Amtsstellung missbrauchen; Mobbing am Arbeitsplatz. Selbst mit dem Partner in unserer Beziehung ist es grundsätzlich nicht anders.

Es sammelt sich viel an. Jeder Mensch ist von den oben genannten Dingen mehr oder weniger betroffen. Und jeder von euch kennt Männer und Frauen, die alt und verbittert sind, weil sie im Laufe ihres Lebens so viele negative Erfahrungen gesammelt haben, dass es kaum noch einen Bereich gibt, der unbelastet ist. Am sichersten kommt es ihnen noch vor, wenn sie sich in ihre vier Wände zurückziehen und möglichst wenig Kontakt haben. Aber was ist das für ein Leben? Und wie viel Zeit für negative Grübeleien hat ein Mensch gerade, wenn er sich in sein Schneckenhaus zurückzieht?

 

Oft schreiben mir Menschen, dass sie keinen Frieden in sich finden, weil sich ihre Gedanken an die Vergangenheit klammern. Sie können nicht loslassen von den schweren Verletzungen, die ihn von Menschen einst zugefügt wurden. Aber wer schadet wem letzten Endes? Der, der nicht vergeben kann, fügt sich eigenen seelischen Schaden zu. Und wenn es ganz arg kommt, dann ergötzt sich der Täter an der Betrübtheit seines Opfers. Ein Mensch muss lernen, vergeben zu können, auch wenn es sich so schwer anhören mag. Von nichts kommt aber nichts. Ergreife Initiative. Mache dich nicht länger zum Sklaven deiner Gedanken.

Angenommen, du hast zurzeit gerade ein konkretes Grübelthema: Wie viele weitere Stunden darf es dir noch verderben? Du ahnst es: Ich bin davon überzeugt, dass es nicht so sein muss. Das Konzept der Vergebung spielt dabei eine zentrale Rolle in der Lebensbewältigung.

Das heißt natürlich nicht, dass du als verletzte Person jetzt zum Täter gehen und ihn um eine Entschuldigung bitten sollst für seine von ihm begangene fahrlässige Art.

 

Die Grundfrage, die ich damit beantworten möchte, lautet: Wie kann ich mit Unrecht, das mir widerfahren ist, so umgehen, dass es mir nicht immer noch weiter schadet? Oder um es in einem Bildgleichnis zu sagen: Es geht darum, den piksenden Stachel endlich aus der Handfläche zu entfernen, anstatt die Hand nicht mehr zu benutzen.

Verzeihung bedeutet, um des eigenen Friedens willen zu vergeben und sich selbst nicht mehr länger mit einem schweren Stein auf dem Herzen zu belasten, denn dies würde einer Selbstgeißelung gleichen. Obendrein ist es ein Zweifel an Gottes Gerechtigkeit, Seinem Wirken und Seiner Heilung, was auf eine mangelnde Emuna – der Kraft des Glaubens an den Schöpfer – zurückzuführen ist. Nicht umsonst wird Gott auch als der Heiland bezeichnet – den Erlöser, Retter und Helfer.

 

Dein liebender himmlischer Vater spricht zu dir: "Lege deine Sorgen nieder. Leg sie ab in Meine Hand. Du brauchst Mir nichts in großen Worten zu erklären, denn Ich hab längst erkannt, was in deinem Herzen vor sich geht. Lass deine Sorgen einfach los, denn nichts ist für Mich, deinen Gott, zu groß. Lege deine Ängste nieder, die schwirrenden Gedanken in der Nacht. Denn Frieden gebe Ich, dein allmächtiger Gott, dir wieder; Ich hab schon immer in Liebe an dich gedacht."

 

Warum kannst und willst du daher anderen nicht vergeben? Bedenke, dass du mit dieser schweren Last an negativen Gedanken, dir lediglich selbst Schaden zufügst. Der gewissenlose Täter schläft nachts ruhig, als sei nichts gewesen. Und du? Was tust du? Du trägst tagtäglich diese nagenden Gedanken mit dir herum. Betrachte es einmal aus der Sicht von Gott? Wünschst du dir nicht täglich und betest zudem dafür, dass Er dir deine Verfehlungen hier und da vergeben möge? Wünschst du dir nicht und betest dafür, dass du ein reines Herz vor Ihm haben möchtest, indem Er dich zu Seinem Ebenbild formt? Bedenke, wer dir immer als erstes vergibt. Es ist stets dein himmlischer Vater, der dich aus Seiner unendlich großen und barmherzigen Liebe heraus betrachtet. Wenn du dir aufrichtig von Gott Vergebung für deine begangenen Fehler wünschst und Er sie dir aus Seiner großen Barmherzigkeit verzeiht, wieso kannst du demzufolge anderen nichts verzeihen? Es kostet viel Überwindungskraft, das verstehe ich. Ich rede nicht einfach irgendetwas daher, sondern weiß sehr wohl, von was ich spreche, denn auch ich tat mich anfangs wirklich schwer, anderen – in diesem Fall meinen Eltern – vergeben zu können.

 

Die besten Geschichten schreibt ja bekanntlich das Leben, denn sie berichten von Erfahrungen und der Wahrheit. Und so möchte ich an dieser Stelle etwas Persönliches einfügen:

Meine Kindheit war nicht wirklich einfach. Mein Elternhaus war geprägt von Gewalt und Alkoholismus. Ich wurde als Kind bei jeder Kleinigkeit mit dem Gürtel geschlagen.

Einmal verlor ich nach der Schule auf dem Nachhauseweg im bunten Herbstlaub meine Brille, weil ich stolperte. Ich konnte sie nicht wiederfinden und so wusste ich, was mich zu Hause wieder erwarten würde. Unheimlich große Angst kam in mir auf, mich daheim ohne Brille blicken zu lassen, weil ich wusste, es erwarteten mich wieder Schläge mit dem Gürtel und Fußtritten in den Rücken. Blaue Flecken, Blutergüsse und Schwielen trug ich davon. Manchmal traute ich mich nicht, in den Sportunterricht zu gehen – vor Angst, jemand würde meine Blessuren sehen. Ich hatte deshalb Angst, weil mir mein Vater immer drohte, mich umzubringen, wenn ich es der Polizei oder dem Jugendamt melden würde. Regelrecht psychisch eingeschüchtert wurde ich. Irgendwann war es sogar so weit gekommen, dass die Mordkommission vor der Wohnungstür stand. Mein Elternhaus war echt die Hölle. Als Kind fühlte ich Todesängste.

 

Mit meinem 18. Lebensjahr zog ich sofort aus dem Elternhaus und zog in einen 40 km entfernten Ort. Teils fühlte ich im Inneren Erleichterung und einen Hauch von Freiheit, aber mehr war da auch nicht. Ich empfand damals Hass gegen meine Eltern für das körperliche und seelische Leid, das sie mir zufügten. Die traumatischen Erlebnisse ließen sich nicht einfach so in meinem Gedächtnis ausblenden. Nachts bekam ich oft Albträume und wachte schreiend auf. Fix und fertig machte es mich.

2002 war ich deswegen ein halbes Jahr in Behandlung bei einem Psychologen. Regelmäßig erschien ich zu den Terminen. Einen bis zwei Termine hatte ich bei ihm in der Woche. Aber ich stellte fest, dass es nicht wirklich etwas brachte. Ich fühlte mich einfach nur wie ein Patient behandelt. Er verlangte die Telefonnummer meiner Eltern, aber ich gab sie aus Angst nicht heraus. Wenn meine Eltern erfahren hätten, dass ich mit außenstehenden Personen über "Internes" aus dem Elternhaus rede, dann hätte ich von ihnen wieder ein blaues Wunder erleben können. Und zweitens waren meine Eltern wahre Schauspieler. In der Öffentlichkeit taten sie unauffällig und zu Hause ließen sie die Sau raus.

 

Wie schon erwähnt, brachte mir der Besuch beim Psychologen rein gar nichts. Das hängt damit zusammen, dass Vergebung zwar schon immer im Glauben eine Rolle spielte, in der Psychologie aber bisher wenig entdeckt bzw. als Konzept angewendet wurde. Ich musste somit sehen, wie ich mit mir selbst fertig wurde. Bis 2008 trug ich den ganzen Zorn und Frust mit mir herum, sodass ich unter chronischer Magenentzündung, Depression und Kreislaufbeschwerden litt. Und das alles nur, weil ich meinen Eltern nicht vergeben konnte – gerade weil sie dachten, dass ihre streng autoritären „Erziehungsmethoden“ richtig waren, und es nicht einsahen, etwas falsch gemacht zu haben. Es war halt „normal“ für sie.

 

Im August 2008, als mein Opa verstarb, fand ich zum Glauben an Gott. Ein Jahr später war ich zu einem Seminarwochenende basierend auf den Glauben eingeladen. Es handelte von der Lebenskunst Vergebung. Als ich vom Seminar wieder nach Hause kam, rotierten meine Gedanken. Ich spürte, dass sich in mir etwas tat – wie wenn das Gartenbeet umgegraben wird, so spielte es sich in meinem Inneren ab. Nun, nach einem langen Verarbeitungsprozess, verstand ich, dass ich wahres Seelenheil nur von Gott erfahren könne, wenn ich mich Ihm wie ein Kind mit einem Wehwehchen hingebe und mein Herz vor Ihm mit Aufrichtigkeit öffne. Ich war bereit dazu, Seine heilenden Kräfte in mir wirken zu lassen. Ich war bereit dazu, Ihm voll und ganz zu vertrauen, dass Er das an und in mir vollbringen kann, wo menschliche Fähigkeiten und Kräfte versagen – siehe die Beratung beim Psychologen.

So nach und nach über Jahre hinweg spürte ich die Veränderung in mir, die Gott bewirkte. Die Albträume ließen gänzlich nach, seitdem ich sämtliche Steine, die über die vielen Jahre auf meinem Herzen drückten, vor Gott ablegen konnte. Er zeigte mir, was Vergebung bedeutet. Seine Liebe hat mein Herz so sehr ausgefüllt, dass ich endlich meinen Eltern verzeihen konnte. Gottes Liebe heilt Herzen und zwischenmenschliche Beziehungen.

 

2012 führte mich der Schöpfer zu Rabbi David Kraus. Rabbi David Kraus trug viel bei zu meiner inneren Heilung, der Stärkung meines Glaubens und meines Selbstbewusstseins. Er zeigte mir, wie viel Potential in mir steckt und trug zu dem bei, was ich heute bin – ein Segen für die Menschen in meiner Umgebung. In meiner Kindheit erfuhr ich keine Liebe, nur Hass und Gewalt. Wie konnte ich da meine Mitmenschen lieben? Das war überhaupt nicht möglich. Denn man kann nur das an seine Mitmenschen weiterzugeben, was man selbst in sich trägt. Aber durch die unerschöpfliche Liebe Gottes habe ich die Liebe meines Lebens erfahren dürfen. In der Vergebung wird statt meiner zum großen Teil auf Abwehrmechanismen beruhenden Selbstgerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit in Anspruch genommen. Und deshalb ist es mir heute möglich, meinen Mitmenschen in Liebe begegnen zu können und für sie ein Segen Seiner Liebe zu sein.

 

Und so wünsche ich auch dir, liebe Leserin und lieber Leser, dass du in deinem Leben unerschöpflich viel an Liebe von Gott erfährst und du so viel Vertrauen zu Ihm entwickelst, dass du fest daran glaubst, dass Gott dein Herz heil machen kann. Ja, Er kann es, wenn du es zulässt, dass Er dein Herz verändern kann, indem du ein kindliches Vertrauen zu Ihm entwickelst. Wenn Er es schaffte, mich von Albträumen meiner traumatischen Kindheitserinnerung zu heilen, wo ein Psychologe ratlos war, dann schafft der Allmächtige es auch, in deinem Leben Berge zu versetzen und dir Frieden ins Herz zu legen.

 

Halte dir stets Gottes treue Zusage in deinem Gedächtnis: "Lege deine Sorgen nieder. Leg sie ab in Meine Hand. Du brauchst Mir nichts in großen Worten zu erklären, denn Ich hab längst erkannt, was in deinem Herzen vor sich geht. Lass deine Sorgen einfach los, denn nichts ist für Mich, deinen Gott, zu groß. Lege deine Ängste nieder, die schwirrenden Gedanken in der Nacht. Denn Frieden gebe Ich, dein allmächtiger Gott, dir wieder; Ich hab schon immer in Liebe an dich gedacht." Vergiss das nie!

 

Ich wünsche dir, dass der altbekannte Begriff „Vergebung“ für dich eine neue Bedeutung und Anwendbarkeit gewinnt, die sich befreiend und entlastend in deinem Leben auswirkt. Es geht um eine Lebenskunst.





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