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Was ist ein Wunder?    

Was ist ein Wunder?



"Ness", Wunder, auch Flagge, etwas flattert vor den Augen Aller wie eine Flagge. Was offenbart sich hier in so spektakulärer Weise?

 



"Ness", Wunder, auch Flagge, etwas flattert vor den Augen Aller wie eine Flagge. Was offenbart sich hier in so spektakulärer Weise? - Der Herr der Welt lenkt die Natur, und er kann der Natur auch ungewöhnliche Dinge abverlangen; "der Ewige, mein Banner" (Ex. 17,15).


Man kann Wunder auch "rational" erklären: Wenn etwas exakt dann eintrifft, wenn man es am dringendsten braucht, oder dass ein bestimmter natürlicher Prozess schneller als normal abläuft. Diese Sorte Wunder verdeutlicht, wie G~tt über die Zeit herrscht und die Gesetze von Wahrscheinlichkeit und Statistik nötigenfalls zu seinen Zwecken ausbeutet. Dies offenbarte er besonders durch das Wunder, als er für König Chiskijahu die Zeit um zehn Grad zurückdrehte (Könige II, 20).

 

Andere Wunder flattern noch auffälliger. Normalerweise "geht die Welt ihren gewohnten Gang" (Awoda sara 54b), doch auf einmal geht sie einen anderen Gang. Die Regeln der Schöpfung ändern sich. Allerdings gibt es noch viele andere Schöpfungsregeln, dabei gibt es unendlich viele Möglichkeiten; ihre Einschränkung und Bestimmung in den uns bekannten Gesetzlichkeiten der Schöpfung nennen wir "Natur". Die Propheten lernten auch die anderen Möglichkeiten der Kreation kennen, und wie sie zur Erscheinung zu bringen sind.

 

Im täglichen Leben geschehen keine Wunder, es herrscht die Natur nach den Gesetzen von Ursache und Wirkung. In Wirklichkeit aber hält G~tt auch hier die Fäden in der Hand: "Aber du bist ein G~tt, der sich verbirgt" (Jeschajahu 45,15). Das ist die Bedeutung des Wortes "Olam" (Welt): Verborgen (mit'alem) in den Welten (Olamot), die er geschaffen hat. In sechs Tagen schuf G~tt sein ganzes Werk, ruhte am siebenten Tage und verbarg sich. Wir befinden uns seitdem in G~ttes Schabbat-Ruhetag. Mit dem Schabbat, den wir halten, bekennen wir, dass G~tt die Natur von seinem "Versteck" aus lenkt. Und manchmal geschieht dabei ein Wunder, nämlich bei Lebensgefahr [die die Schabbatgesetze außer Kraft setzt]; wenn das Leben zum Tode wird und es gilt, diesen Vorgang rückgängig zu machen, offenbart sich die Außerkraftsetzung des göttlichen "Ruhetages", das Wunder.

 

Die normale Ordnung der Wirklichkeit sieht keine Wunder vor. Der Talmud (Schabbat 53b) berichtet uns von einem Mann, dem die Frau starb und ihm einen Säugling hinterließ. Der Mann hatte kein Geld für eine Amme, und so geschah ihm ein Wunder, das ihn selbst in die Lage versetzte, das Kind zu säugen. Rav Josef sagte darüber: Kommt und seht die Größe dieses Mannes, weil ihm dieses Wunder geschah. Worauf ihm Abaje erwiderte: Im Gegenteil, wie übel ist dieser Mann, da doch seinetwegen die Ordnung der Schöpfung geändert wurde. - Das Wunder ist nicht dazu da, die Mängel der Natur auszubügeln.

 

Auch soll man seine religiöse Grundeinstellung nicht auf Wunder ausrichten. Nur wessen religiöse Fundamente wackelig sind, braucht viele Wunder. Gideon ben Joasch, der immer wieder Bestätigung durch Wunder und Beweise von G~tt verlangte (Richter, 6.Kap.), galt nicht als einer der großen Toragelehrten (Rosch Haschana 25a/b). Im Gegenteil, die Tora warnt uns sogar vor jenen, die sich mit Hilfe von Wundern die Autorität verschaffen wollen, religiöse Neuerungen einzuführen. Entsprechend schrieb Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") in den Gesetzen von Königen und Kriegen (11,3), dass Wundertätigkeit kein Nachweis für die Identität des Maschiach ("Messias") sei.

 

Anhand der Wunder verstehen wir den Vers "G~tt ist mein Banner/Wunder (nissi)" (aus "Adon Olam") - dass nämlich alle Naturgesetze aus Wundern bestehen. Genauso handelt es sich bei der Menschheitsgeschichte um ein im Verborgenen ablaufendes Wunder (Kommentar des Nachmanides). War nicht auch die Gründung des Staates Israel ein Wunder? In diesem Sinne ist auch das tägliche Leben ein Wunder, da es gänzlich auf göttlichem Einfluss beruht. Wie ein Dichter sagte: "Schlimmer als eine verdorbene Seele ist eine gleichgültige und ihren Gewohnheiten folgende Seele". Wir Juden vergessen das nicht, wir wissen, dass alles ein einziges Wunder ist, dass die ganze "reale" Welt dem Willen G~ttes entspringt, wie wir im Schmone Esre-Gebet sagen: "Deine Wunder, die uns täglich zuteil werden, und Deine Wundertaten und Wohltaten zu jeder Zeit, abends, morgens und mittags".

 

"Das Pessachopfer - was sollte das bedeuten?"

 

"Raban Gamliel sagte: Wer am Pessachfest über folgende drei Dinge nicht spricht, genügt nicht seiner Pflicht, und zwar: das Pessachopfer, das Ungesäuerte und das Bitterkraut" (Mischna Pessachim 10,5). Diese Dinge scheinen also von grundlegender Bedeutung zu sein, und es genügt sicher nicht, sie rein mechanisch aufzusagen; sie müssen auch verstanden werden.

 

Vor allem das Pessachopfer: "Das Pessachopfer, das unsere Väter zur Zeit, als der heilige Tempel noch gestanden, gegessen haben, was sollte das bedeuten? Es sollte darauf deuten, dass der Heilige, gelobt sei er, über die Häuser unserer Väter in Ägypten hinweggeschritten; denn so sagt die Schrift: So sprecht, es ist ein Überschreitungsopfer dem Ewigen zu Ehren, weil er in Ägypten über die Häuser der Kinder Israels hinweggeschritten, da er Ägypten geschlagen und unsere Häuser errettet hat" (aus der Hagada). Demnach symbolisiert das Pessachopfer die Überschreitung der Häuser.

 

Es ist jedoch gar nicht so leicht, den Sinn dieses Wunders zu verstehen. Wer käme denn überhaupt auf den Gedanken, dass auch die jüdischen Erstgeborenen getötet würden?! Der ganze Sinn und Zweck der Zehn Plagen war doch die Rettung des Volkes Israel!

 

Es besteht allerdings Grund zu der Annahme, dass man gar nicht so leicht zwischen den Ägyptern und den Kindern Israels unterscheiden konnte; nach 210 Jahren Aufenthalt in Ägypten waren sie auf die unterste der 49 Stufen spiritueller Unreinheit abgesunken, und wären sie dort auch nur einen Augenblick länger verblieben, hätten sie, wie die Kabbalisten sagen, nicht mehr gerettet werden können.

 

Genau dies war die Argumentation des Genius' der Ägypter, des Engels Usa, bei der Teilung des Schilfmeeres: "Diese wie jene sind Götzendiener etc., warum werden diese herübergelassen und jene nicht?" Ebenso schildert der Prophet Jecheskel den katastrophalen spirituellen Niedergang des jüdischen Volkes in jenen Tagen: "Und sie waren widerspenstig gegen mich und wollten nicht auf mich hören; keiner warf hinweg, was den Augen ein Gräuel ist, und von den Götzen Ägyptens ließen sie nicht; da gedachte ich auszuschütten meinen Grimm über sie, meinen Zorn auszulassen an ihnen mitten im Lande Ägypten" (20,8).

 

Das Wunder des Überschreitens der Häuser stellte also ein für alle Mal klar, dass der Herr der Welt uns nicht wegen unserer Rechtschaffenheit erwählte, denn hinsichtlich unserer Taten waren wir verdorben, vielmehr "erwählte uns der Herr der Welt in Liebe", d.h., er schuf sein Volk Israel in Liebe mit einer besonderen seelischen Eigenschaft, die ihm ewigen Bestand sichert und selbst durch verdorbene Taten nicht beinflussbar ist. Die Überschreitung der Häuser und die Unterscheidung zwischen den jüdischen und den ägyptischen Erstgeborenen, die sich doch ihrem äußeren Erscheinungsbild nach und in ihren Verhaltensweisen so ähnelten, war das größte Wunder und Grundlage aller weiteren Wunder, die G~tt in seiner Gnade an uns verübte. Deshalb bestimmte Raban Gamliel in seiner göttlichen Weisheit, dass wer das Pessachopfer nicht erwähnt, seiner Pflicht nicht genügt, denn er hat das Wesentliche des Auszugs aus Ägypten nicht verstanden.

 

Das Ausmaß des Wunders von der Teilung des Schilfmeeres

 

Einst stellte der Rabbi von Gur die folgende Frage: Worin besteht eigentlich die Größe des Wunders von der Teilung des Schilfmeeres - so ein Wunder geschah doch auch Rabbiner Pinchas ben Ja'ir, obwohl er ganz für sich alleine war? So berichtet uns der Talmud (Chulin 7a): Auf dem Wege zum Loskaufen von Gefangenen gelangte er an einen Fluss mit dem Namen Ginai, den er nicht überqueren konnte. Da befahl er ihm: Ginai, teile dich, sodass ich hinübergelange. Worauf der Fluss erwiderte: Du bist dabei, den Willen deines Schöpfers zu tun, und ich bin dabei, den Willen meines Schöpfers zu tun. Du wirst vielleicht zum Ziel gelangen, vielleicht auch nicht - ich aber auf jeden Fall. Da sprach Rabbi Pinchas: Wenn du dich nicht augenblicklich teilst, werde ich bestimmen, dass nie mehr Wasser in dir fließen wird! Da teilte sich der Fluss. Am Ende gelangt der Talmud zu der Erkenntnis: Die Größe Rabbi Pinchas ben Ja'ir gleicht der unseres Lehrers Moscheh und 600.000 Mann [will sagen, das gesamte Volk Israel beim Auszug aus Ägypten] zusammengenommen.

 

Es fragte also der "Sfat Emet", wie denn aus der Teilung des Schilfmeeres die Größe des jüdischen Volkes ersichtlich sei. Und antwortete: Ganz sicher vollbringt G~tt Wunder für die großen Gerechten - am Schilfmeer aber tat er es für die gesamte Nation, und nicht nur für einen einzelnen Gerechten!

 

Entsprechend schrieb auch Rabbiner Zadok Hakohen aus Lublin: Es ist nicht alles ein Wunder, was in den Augen der Leute wie übernatürlich aussieht, denn "Wunder" wie diese geschehen den vollkommenen Gerechten jeden Tag (so überliefert uns der Talmud den Ausspruch von Rabbiner Chanina ben Dossa: "Wer das Öl brennbar schuf, kann auch Essig brennbar machen"). Vielmehr besteht das große Wunder darin, dass vor den Augen aller Völker die im Innersten verborgene Heiligkeit der Kinder Israels zutage trat, obwohl sie äußerlich gesehen bis fast auf den Boden des moralischen Abgrundes gesunken waren und ebenso wie die Ägypter dem Götzendienst frönten - und doch war G~tt zusammen mit ihnen selbst in den Niederungen ihrer spirituellen Unreinheit. Trotz moralischer Versumpfung steckt in ihnen der Kern inniger Verbundenheit mit G~tt.

 

So ist auch der Ausspruch "Selbst die Magd sah am Schilfmeer mehr als der Prophet Jecheskel ben Busi HaKohen" (Mechilta) nicht auf die Erhabenheit des einzelnen Juden zurückzuführen, sondern auf die Tatsache der Offenbarung dieses Wunders vor der gesamten israelitischen Öffentlichkeit.

 

Die oben erwähnte Geschichte aus dem Talmudtraktat Chulin hat aber noch eine Fortsetzung: Der Fluss teilte sich nämlich noch für zwei weitere Personen. Das zweite Mal für einen Juden, der mit der Beaufsichtigung des Getreides für die alljährliche Matzeproduktion befasst war, und das dritte Mal für einen arabischen Handelsmann, der sie begleitete. Demnach teilte sich der Fluss nicht nur für Rabbi Pinchas ben Ja'ir, den Frommen, der das gesamtjüdische Gemeinwohl im Sinn hatte, nämlich Gefangene auszulösen, sondern auch für einen einfachen Juden, der nur mit der Erfüllung eines individuellen Gebotes beschäftigt war. Und wie unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk erklärte, lag der Grund darin, dass alle Schichten des Volkes an der Heiligkeit der israelitischen Gemeinschaft Anteil haben. Und selbst für einen Nichtjuden, der sich ihnen nur zur Begleitung angeschlossen hatte, teilte sich der Fluss...

 

Im weiteren Verlauf der Geschichte wird erzählt, wie dem Esel von Rabbi Pinchas ben Ja'ir Gerste vorgesetzt wurde, die zu fressen sich dieser aber weigerte. Da reinigte man die Gerste von Schmutz und Steinen - trotzdem verweigerte er weiterhin die Annahme. Fragte Rabbi Pinchas ben Ja'ir: Vielleicht habt ihr von der Gerste nicht den Zehnt abgesondert? Da sonderte man die priesterlichen Abgaben ab - und der Esel fraß. Da sagte er: Diese Eselin tut den Willen ihres Schöpfers, und ihr setzt ihr Unverzehntetes vor! Allerdings fragt der Talmud im weiteren Verlauf: Muss denn auch Tierfutter verzehntet werden?! - und diskutiert dieses Thema eingehend. Der Tossafotkommentar zur Stelle jedoch gibt einen ganz anderen Grund für das Verhalten des Esels an: Er hatte die strengere gesetzliche Haltung freiwillig auf sich genommen! Dazu erklärte unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, dass alle Aspekte des Lebens des jüdischen Volkes, selbst die nationalen und materiellen, ja selbst der "eselige" Materialismus ihren Anteil haben an der Wunderhaftigkeit und göttlichen Heiligkeit des Volkes Israel [Anm.: Die Verwendung von Eselsgleichnissen im Talmud ist auf den Wortstamm von Chamor (Esel), der dem Wortstamm von Chomer (Materie) gleicht, zurückzuführen].

 

Das Volk ist in seiner Gesamtheit heilig, und das Streben nach göttlicher Verbundenheit klingt in seinem Inneren.

 

Der Autor ist Oberrabbiner von Bet El und Leiter der Jeschiwa "Ateret Kohanim/Jeruschalajim" in der Altstadt von Jerusalem - übersetzt von R. Plaut Chefredakteur von KimiZion.  





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